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Palligrafie: Ein in Schleswig-Holstein bislang einmaliges Angebot für Palliativpatienten am Sankt Elisabeth Krankenhaus Eutin
- |13. Juli 2026
- |Sankt Elisabeth Krankenhaus Eutin

Als erste Klinik in Schleswig-Holstein bietet das Sankt Elisabeth Krankenhaus Eutin (SEK Eutin) Patienten auf der Palliativstation die Erstellung einer eigenen „palliativen Biografie“ an, einer so genannten Palligrafie®. Zusammen mit zwei ausgebildeten Palligrafinnen entsteht so ein ganz persönliches, authentisches und am Ende in Buchform gebundenes Dokument, in dem unheilbar erkrankte Menschen in ihren Worten die eigene Lebensgeschichte erzählen und diese ihren Angehörigen hinterlassen können.
„Wir freuen uns sehr, mit Angela Bichel und Sabine Köhn zwei fachlich qualifizierte Palligrafinnen zu haben, die auch durch ihre jahrelange Tätigkeit im Vorstand der Hospizinitiative Eutin e.V. und als ausgebildete ehrenamtliche Hospizbegleiterinnen dieses neue Angebot mit ganz viel Herz, Würde und Professionalität umsetzen“, erzählt Stationsleitung und Palliative Care-Fachkraft Sanja Milic, die dieses Pionier-Projekt am SEK Eutin initiiert hat.
Was ist Palligrafie?
Palligrafie ist ein Wortspiel aus den Begriffen „palliativ“ und „Biografie“, angelehnt an die Kalligrafie als die Kunst des schönen Schreibens. Sie beruht auf Elementen der von dem kanadischen Psychiater Dr. Harvey M. Chochinov begründeten Würdezentrierten Therapie und wurde von der Hamburger Journalistin und freien Autorin Sabrina Görlitz (weiter)entwickelt. Während die Würdezentrierte Therapie vor allem die positiven Erinnerungen in den Fokus ihrer Rückschau nimmt, finden in der Palligrafie ganz bewusst auch die herausfordernden und schweren Momente des Lebens und des Sterbens, mit denen sich todkranke Menschen mitunter sehr allein gelassen fühlen können, einen Raum.
Seit 2024 bildet Sabrina Görlitz angehende Palligrafen in Zertifikatskursen zur Weiterbildung aus. Die Anfertigung einer Palligrafie – vom Vorgespräch, über ein Interview bis hin zu Abstimmung und Gestaltung – umfasst etwa 10-12 Arbeitsstunden und wird nach Möglichkeit innerhalb einer Woche abgeschlossen; bei dringenden Umständen ist eine Anpassung des
Zeitrahmens möglich. Der Schutz personenbezogener Daten ist gewährleistet. Die Palligrafie wirft mit einem strukturierten, aber flexibel und individuell anpassbaren Fragenkatalog Schlaglichter auf verschiedene Stationen des Lebens. Das etwa ein- bis eineinhalbstündige Gespräch wird aufgezeichnet und durch Fragen geleitet, die das Erzählen der eigenen Geschichte der erkrankten Person erleichtern und Orientierung geben. Anschließend wird der Inhalt verschriftlicht und chronologisch oder thematisch geordnet. Bei der anschließenden Textarbeit wird besonders darauf geachtet, dass der Erzählton und sprachliche Besonderheiten, die charakteristisch für den erzählenden Menschen sind, beibehalten werden. Ziel ist die Erstellung eines authentischen Dokuments, in dem Angehörige und Nahestehende die vertraute Ausdrucksweise wiedererkennen.
Warum Palligrafie?
„Die Palligrafie gibt Menschen an ihrem Lebensende die Möglichkeit autonom und selbstwirksam zu Wort zu kommen, manchmal auch überhaupt Worte zu finden, und das in einer Lebensphase, in der ja viel mit einem `gemacht` wird und man das Gefühl hat, selbst nur noch sehr wenig machen zu können“, versucht Sabine Köhn den Wert einer Palligrafie für den erzählenden Menschen zu beschreiben. Das Erzählen und Festhalten der eigenen Lebensgeschichte in der Rückschau der palliativen Biografie wirkt sich in vielen Aspekten positiv auf Abschieds- und Sterbeprozesse aus. Dieses würdezentrierte Gespräch ermöglicht, die lebensbedrohliche Erkrankung zeitweise in den Hintergrund treten zu lassen und macht deutlich, dass ein Mensch mehr ist als seine Diagnose. Es öffnet den Raum für Fragen, die bislang keine Beantwortung gefunden haben und nun geklärt werden können. Die Teilnehmenden finden dadurch leichter ein inneres Einverständnis mit ihrer Situation. Nicht nur, weil den Menschen bewusst wird, dass ihr Leben wirklich zu Ende geht, sondern auch, dass es einen Unterschied im Leben anderer gemacht hat und dass sie Spuren hinterlassen werden. „Auch für Angehörige und Nahestehende kann das entstandene Schriftstück in der Trauerzeit eine wichtige Stütze sein. Es ist tröstend und hilfreich zu wissen, wie ein Mensch erinnert werden möchte, welche Dinge ihm im Leben am wichtigsten waren und wie er sich das `Danach` vorgestellt hat“, ergänzt Angela Bichel.
Aus Spenden finanziert
Das SEK Eutin unterstützt das Palligrafie-Angebot dauerhaft aus Spenden, die für die Palliativstation der Klinik eingehen. „Wir möchten möglichst vielen Patienten auf unserer Palliativstation die Erstellung einer Palligrafie ermöglichen und freuen uns daher über jede Unterstützung“, so Geschäftsführer Dirk Beutin. Mit den beiden Palligrafinnen plane die Klinik eine langfristige Zusammenarbeit.
Weitere Informationen zur Palligrafie und deren Begründerin, Sabrina Görlitz, finden Sie auf deren Website unter https://storycare.de.