Adipositaschirurg verstärkt Team der Viszeralchirurgie

Sektionsleiter und ltd. Oberarzt: Adipositaschirurg Dr. Alexandros Karamanlidis Bildnachweis: Florian Grewe | St. Martini

Duderstädter Krankenhaus erweitert sein Leistungsspektrum um chirurgische Behandlungsoptionen für Adipositaspatienten

Das St. Martini Krankenhaus Duderstadt erweitert sein medizinisches Angebot: Die Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie unter der Leitung von Chefarzt Dr. med. Udo Iseke wird durch den erfahrenen Chirurgen Alexandros Karamanlidis verstärkt. Der Facharzt mit besonderer Expertise in der metabolischen Chirurgie gehört seit Anfang März zum chirurgischen Ärzteteam des Krankenhauses.

Mit der Verstärkung des Teams reagiert das Krankenhaus auf den wachsenden medizinischen Bedarf in der Behandlung der chronischen Erkrankung Adipositas. Ziel ist es, betroffenen Patientinnen und Patienten in der Region eine umfassende und wohnortnahe Therapie anzubieten.


Spezialist für metabolische Chirurgie

Alexandros Karamanlidis ist Facharzt für Chirurgie, Viszeralchirurgie sowie spezielle Viszeralchirurgie und verfügt über besondere Expertise im Bereich der metabolischen Chirurgie, also operativer Verfahren zur Behandlung von starkem Übergewicht und seinen Folgeerkrankungen. Seine Arbeit verfolgt dabei ein klares Ziel: Menschen mit krankhaftem Übergewicht zu helfen, ihre Gesundheit und Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.

Adipositas ist keine Frage mangelnder Disziplin, sondern eine komplexe chronische Erkrankung“, erklärt Karamanlidis. „Mit modernen Therapiekonzepten – dazu gehören auch operative Verfahren – können wir vielen Betroffenen helfen, Gewicht zu reduzieren und schwere Begleiterkrankungen deutlich zu verbessern.“

Der gebürtige Grieche studierte Humanmedizin an der Aristoteles-Universität Thessaloniki und durchlief seine Facharztausbildung an großen Kliniken in Griechenland. Im Verlauf seiner Karriere übernahm Karamanlidis verschiedene Leitungsfunktionen, unter anderem als Direktor einer Notaufnahme und als Leiter eines Adipositaszentrums. Sein Weg führte ihn unter anderem an das renommierte Karolinska
Universitätsklinikum in Stockholm, wo er sich weiter in der hepatobiliären Chirurgie sowie in der Chirurgie des oberen Verdauungstraktes spezialisierte. Der erfahrene Mediziner verfügt über umfassende Erfahrungen in der Magen-, Darm- und Leberchirurgie, in der endokrinen Chirurgie sowie in der Notfall- und Traumachirurgie.

Seit 2018 arbeitet Alexandros Karamanlidis in Deutschland. Vor seinem Wechsel ans St. Martini Krankenhaus war er zuletzt an einem konfessionellen Krankenhaus in Stendal tätig.

Neben seiner klinischen Tätigkeit engagiert er sich in der wissenschaftlichen Fortbildung und ist Mitglied mehrerer internationaler Fachgesellschaften.


Enge Zusammenarbeit für eine ganzheitliche Behandlung

Bei der Behandlung von Adipositas setzt das St. Martini Krankenhaus auf eine interdisziplinäre Versorgung. Eine enge Kooperation ist mit den niedergelassenen Haus- und Fachärzten der Region sowie mit dem Diabetologen Shapal Alossi aus der internistischen MVZ-Praxis St. Martini in Duderstadt geplant.

Gemeinsam sollen Patientinnen und Patienten entlang eines strukturierten Behandlungspfades begleitet werden – von der Diagnostik über konservative Therapien bis hin zu operativen Maßnahmen und der langfristigen Nachsorge.

„Die Behandlung von Adipositas gelingt nur im Team“, betont Dr. Iseke. „Durch die enge Zusammenarbeit zwischen Chirurgie, Internisten, Diabetologen sowie den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen stellen wir sicher, dass unsere Patientinnen und Patienten optimal betreut werden.“


Metabolische Chirurgie: Mehr als Gewichtsreduktion

Die metabolische Chirurgie umfasst verschiedene operative Verfahren, etwa die Verkleinerung des Magens oder die Umleitung von Teilen des Verdauungstraktes. Diese Eingriffe führen nicht nur zu einer deutlichen Gewichtsreduktion, sondern beeinflussen auch hormonelle und stoffwechselbedingte Prozesse im Körper.

Besonders bemerkenswert ist der Effekt auf Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Schlafapnoe oder Gelenkverschleiß. Studien zeigen, dass sich der Zuckerstoffwechsel bei vielen Patienten nach einer Operation deutlich verbessert – in manchen Fällen kann ein Diabetes sogar vollständig in Remission gehen.


Chirurgische Verfahren der Adipositaschirurgie

In der Adipositaschirurgie werden verschiedene minimal-invasive Operationsverfahren eingesetzt, die meist in sogenannter Schlüssellochtechnik durchgeführt werden. Zu den am häufigsten angewendeten Methoden zählen der Schlauchmagen, der Magenbypass sowie der Mini-Bypass.

Beim Schlauchmagen (Sleeve-Gastrektomie) wird der Magen deutlich verkleinert, sodass nur noch ein schlauchförmiger Restmagen verbleibt. Dadurch können Patientinnen und Patienten nur noch kleinere Nahrungsmengen aufnehmen und verspüren schneller ein Sättigungsgefühl; gleichzeitig wird die Produktion des appetitanregenden Hormons Ghrelin reduziert.
Beim Magenbypass wird zusätzlich zur Verkleinerung des Magens die Nahrungspassage im Dünndarm verändert. Die Nahrung gelangt über eine kleine Magentasche direkt in einen tiefer gelegenen Abschnitt des Dünndarms, wodurch sowohl die Nahrungsaufnahme als auch die Aufnahme von Kalorien reduziert wird. Eine Variante dieses Verfahrens ist der Mini-Bypass, bei dem der Eingriff technisch etwas einfacher durchgeführt wird, indem eine Dünndarmschlinge mit dem verkleinerten Magen verbunden wird.

Welches Operationsverfahren eingesetzt wird, hängt immer von verschiedenen Faktoren wie dem Körpergewicht, möglichen Begleiterkrankungen und der individuellen Situation der Patientinnen und Patienten ab.


Für welche Patientinnen und Patienten kommt eine Operation infrage?

Eine operative Therapie kommt in der Regel für Patientinnen und Patienten mit stark ausgeprägter Adipositas infrage. Dazu zählen Menschen mit einem Body-Mass-Index (BMI)* von 40 oder höher. Auch bei einem BMI ab 35 kann eine Operation sinnvoll sein, wenn bereits schwerwiegende Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck oder Schlafapnoe vorliegen.

Darüber hinaus kann ein chirurgischer Eingriff erwogen werden, wenn konservative Maßnahmen – etwa Ernährungsumstellung, mehr Bewegung oder eine medikamentöse Therapie – über einen längeren Zeitraum nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Vor jeder Operation erfolgt jedoch eine umfassende medizinische Abklärung und sorgfältige Vorbereitung, um gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten die individuell beste Therapieentscheidung zu treffen.

*BMI = Körpergewicht / Körpergröße²


Adipositas als zunehmende Volkskrankheit

Der Bedarf an spezialisierten Behandlungsangeboten wächst: In Deutschland leiden rund 13 Millionen Erwachsene an Adipositas, was etwa 19 Prozent der Bevölkerung entspricht.

Insgesamt sind etwa zwei Drittel der Männer und mehr als die Hälfte der Frauen übergewichtig, während rund ein Viertel der Erwachsenen adipös ist.

Schätzungen gehen davon aus, dass mehrere hunderttausend Betroffene in Deutschland grundsätzlich für eine chirurgische Behandlung der Adipositas infrage kommen könnten – insbesondere dann, wenn schwere Begleiterkrankungen bestehen oder konservative Therapien langfristig nicht ausreichend wirksam sind.


Versorgung für die Region

Mit der Erweiterung des chirurgischen Teams stärkt das St. Martini Krankenhaus seine Rolle als regionaler Versorger für komplexe chirurgische Erkrankungen. Patientinnen und Patienten aus Duderstadt und der Region erhalten künftig Zugang zu modernen Verfahren der Adipositas- und metabolischen Chirurgie – eingebettet in ein umfassendes medizinisches Betreuungskonzept.


„Unser Ziel ist es, Menschen zu helfen, ihre Gesundheit zurückzugewinnen und neue Lebensfreude zu entwickeln“, sagt Karamanlidis. „Dafür bauen wir in Duderstadt eine strukturierte und langfristig angelegte Versorgung auf.“