Christliche Leitfiguren

Die Heilige Elisabeth

„Wir müssen die Menschen froh machen.“
(Elisabeth von Thüringen)

Als Tochter des ungarischen Königspaares Andreas II. und seiner Gemahlin Gertrud kam Prinzessin Elisabeth im Sommer 1207 auf der Burg Sárospatak zur Welt. Schon als Vierjährige verlobten sie ihre Eltern mit dem elf Jahre alten Thüringer Landgrafensohn Hermann und schickten das Kind zur Erziehung auf die Wartburg.

Hermann starb jedoch früh, schon im Jahr 1216, ein Jahr darauf folgte ihm sein Vater. Zum künftigen Herrscher wurde der jüngere Ludwig bestimmt. Nach dessen Volljährigkeit wurde er als Ludwig IV. im Jahr 1218 zum Landgrafen von Thüringen ernannt. Elisabeth, deren Frömmigkeit, Schönheit und Sittsamkeit der ganze Hof rühmte, sollte zunächst nach Ungarn zurückkehren. Inzwischen aber hatte sich der neue Landgraf in sie verliebt. Im Jahr 1221 – als Elisabeth 14 Jahre alt war – feierten sie ihre Hochzeit. Elisabeth schenkte Ludwig drei Kinder: Hermann (geb. 1222), Sophie (geb. 1224) und Gertrud (geb. 1227). Als Elisabeth mit Gertrud schwanger war, schloss sich Ludwig IV. dem Kreuzzug Friedrichs II. an. Im Alter von 27 Jahren erlag ihr Mann im italienischen Feldlager von Otranto dem dort grassierenden Fieber. Das geschah 1227.

Längst hatte Elisabeth auf der Wartburg neue soziale Akzente gesetzt: Sie pflegte mit ihrem Gatten am Hofe zu speisen, sie rührte Lebensmittel ungerechter Herkunft bei Tisch nicht an, sie kümmerte sich persönlich um Kranke und Arme. Während einer großen Hungersnot öffnete sie in Abwesenheit des Landgrafen die Getreidespeicher für notleidende Menschen. Ihr Verhalten stieß bei Verwandten und Hofbeamte auf große Missbilligung, ihr Mann aber stellte sich hinter sie: „Lasst sie Gutes tun und für Gott geben, was sie mag!“

Nach dem Tod Ludwig IV. wurde Elisabeths Armenfürsorge auf der Burg nicht mehr geduldet. Sie geriet sie ins Fadenkreuz ihrer Gegner, vor allem ihr Schwager Heinrich Raspe intrigierte gegen sie. Elisabeth folgte unbeirrt ihrem religiösen Auftrag und verließ die Burg, um als Arme unter Armen zu leben. Zuvor trennte sie sich von ihren Kindern, um ihnen ein weiterhin standesgemäßes Leben zu ermöglichen.

Von ihrem Witwengeld errichtete Elisabeth 1228 ein Spital auf geerbten Ländereien im hessischen Marburg. Sie weihte es ihrem Vorbild, dem Hl. Franz von Assisi. Dort pflegte sie Ausgestoßene und Kranke, lebte, betete und arbeitete mit ihnen.

Im November 1231 erkrankte Elisabeth ernsthaft. Es heißt, dass ihre letzten Tage eine kindliche Heiterkeit überstrahlte. Sie verschenkte ihren irdischen Besitz und tröstete ihre Gefährtinnen. Im Alter von 24 Jahren starb Elisabeth, aufgezehrt in der Fürsorge für andere. Sie wurde in ihrem Franziskushospital in Marburg bestattet.

Knapp vier Jahre nach ihrem Tod, zu Pfingsten 1235, sprach Papst Gregor IX. Elisabeth heilig.

 

Der heilige Vinzenz von Paul

„Liebe sei Tat.“
(Vinzenz von Paul)

Vinzenz von Paul (geb. 1581) studierte in Dax und Toulouse Theologie und wurde im Jahr 1600 zum Priester geweiht. 1608 kam er nach Paris, wo er von 1612 bis 1613 zunächst als Pfarrer in Clichy und dann als Hauskaplan der adeligen Familie de Gondi amtierte. Als Begleiter dieser Familie lernte er die Not der Landbevölkerung kennen. Armen Menschen beizustehen, sie materiell und vor allem seelsorgerisch zu unterstützen, dies betrachtete er fortan als seine Berufung. Er setzte sich für die von Kriegen, Seuchen und Hungersnöten gepeinigte französische Bevölkerung ein, er errichtete Volksküchen, versorgte Kranke, half Armen, Bettlern und Sträflingen und kümmerte sich um Findelkinder. Sein Beispiel fand viele Unterstützer – 1625 entstand daraus die Kongregation seiner Mission (‚Lazaristen‘ oder ‚Vinzentiner‘ genannt).

Mit Luise von Marillac gründete er im Jahr 1633 die Gemeinschaft der „Filles de la Charité“ zu Paris, die erste religiöse Frauengemeinschaft, die nicht länger hinter Klostermauern wirkte, sondern hinaus zu den Armen und Kranken ging. „Die Barmherzige Schwester“, sagte Vinzenz von Paul, „darf sich nicht damit begnügen, den Kranken körperlich zu helfen. Denn das ist unsere Sendung: Armen und Kranken menschgewordene Gottesgüte zu sein.“

Vinzenz von Paul starb 1660 in Paris. 1737 wurde er von Papst Clemens XII. heiliggesprochen.