Krankenhaus-Geschäftsführer Lothar Obst mit dem ehemaligen Erzbischof Robert Zollitsch und dem ehemaligen Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber (v.l.n.r // Schulz-Colberg)
Reinbek I Krankenhaus St. Adolf-Stift

Zukunft der Ökumene durch Begegnung und Dialog

Beim 15. Reinbeker Frühjahrsvortrag sprachen zwei bekannte Kirchenmänner im St. Adolf-Stift über die Zusammenarbeit von Katholiken und Protestanten in Deutschland.

Rund 220 Menschen waren am Donnerstag, den 28. April 2016, in die Aula der Pflegeschule zum 15. Reinbeker Frühjahrsvortrag ins Krankenhaus Reinbek gekommen. Nicht alle fanden Platz in der Aula, ein Dutzend schaute sich in einem angrenzenden Klassenraum eine Live-Übertragung der Veranstaltung an. Das Thema war „Die Zukunft der Ökumene in Deutschland“. Die Diskussionsrunde war hochgradig besetzt. Zunächst hielten der ehemalige Vorsitzende der (katholischen) Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, und der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, je einen Kurzvortrag zur Ökumene, bevor es in die Diskussion mit Moderator Andreas Hüser ging. Hüser ist Diplom-Theologe und Chefredakteur der Neuen Kirchenzeitung im Erzbistum Hamburg.

Der Katholik Dr. Dr. h. c. Robert Zollitsch war bis 2013 Erzbischof von Freiburg und von 2008 bis 2014 Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Der Protestant Prof. Dr. Dr. h. c. Wolfgang Huber war bis 2009 Bischof von Berlin-Brandenburg und von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Alle drei wurden vom Krankenhaus-Geschäftsführer und Initiator des „Reinbeker Frühjahrsvortrages“ Lothar Obst nach Reinbek eingeladen. Es ist der letzte Vortrag, den Obst organisierte bevor er im Sommer in Pension geht. „Ich wollte diese Vortragsreihe für mich immer mit dem großen christlichen Thema der Ökumene abschließen.“

In seinem Kurzvortrag sagte Bischof Huber: „In meinen Augen ist die ökumenische Bewegung die wichtigste Reformbewegung der jüngeren Kirchengeschichte.“ Es ginge darum, gemeinsam und nicht gegeneinander das Evangelium zu verkünden. Und tatsächlich sei 1999 durch die Unterzeichnung der so genannten „Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ die gegenseitigen Verurteilungen aus der Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert als nicht mehr zutreffend bezeichnet worden. Für Huber selbst war es eines der „bewegenden Ereignisse“ seiner Amtszeit, dass im Jahr 2007 die Taufe gegenseitig anerkannt wurde, „es nur eine Taufe gebe, die unwiederholbar ist“. Hubers Resümee war, dass man auf das schauen sollte, was schon erreicht ist und zuversichtlich weitere Schritte gehen muss, bei denen die unterschiedlichen Ansichten geachtet und anerkannt werden und „diese Unterschiede als Bereicherung“ gesehen werden sollten und nicht als Grund zur Spaltung. „In der Gesellschaft können wir als Kirche mehr bewegen, wenn wir zusammen auftreten und die Fürsorge für Alte, Schwache, Flüchtlinge zu unserer gemeinsamen Sache machen.“

Bischof Zollitsch blickte bei seinem Kurzvortrag auf sein eigenes Leben zurück: In den rund 70 Jahren seiner eigenen Erfahrung etwa als katholischer Heimatvertriebener in einem evangelischen Dorf hätte sich doch viel verändert: „Ich habe die evangelische Kirche in meinem Dorf während ich dort lebte nie betreten. Doch als wir uns nach 30 Jahren mit den Mitschülern für ein Wochenende trafen, wurde ganz selbstverständlich am Samstag in der Evangelischen Kirche und am Sonntag in der Katholischen Kirche ein gemeinsamer Gottesdienst gefeiert. Ökumene gehört tatsächlich zum Alltag.“
Zollitsch nannte dies „Ökumene des Lebens“. Durch Begegnung und Dialog wachse auch der Respekt voreinander: „Wir können von den Gaben des anderen nicht nur lernen, sondern auch von der Unterschiedlichkeit profitieren.“
Es gäbe aber auch weiterhin Trennendes, bei dem derzeit nicht klar sei, wie die unterschiedlichen Ansichten und Praktiken aufgelöst werden können. Zollitsch erinnerte an Walter Kaspar, der einmal sagte: „Wir sind uns einig, dass wir die Einheit wollen, aber wir wissen noch nicht, wie diese Einheit aussehen kann.“ Wenn Zollitsch die letzten 70 Jahre betrachte, dann gäbe es ganz anders als damals ein ökumenisches Miteinander, das nicht nur in den Köpfen, sondern in den Herzen Einheit und Versöhnung gebracht hätte. „Die Einheit ist näher denn je. Es tut sich eine Perspektive auf, auch wenn der Weg lang und steil sein wird. Wir sollten dabei auch auf Gottes Heiligen Geist vertrauen.“

In der anschließenden Diskussion wurde zunächst der persönliche Umgang der beiden Bischöfe untereinander angesprochen und wie sie während ihrer gemeinsamen Amtszeit miteinander umgegangen sind. Auch durch Fragen aus dem Publikum wurden die klassischen Themen von der Ordination von Frauen, dem noch nicht gemeinsam gefeierten Abendmahl und den Konflikten dadurch in konfessionsverbindenden Ehen angerissen. Darf man zum Abendmahl gehen, wenn man mit seiner Familie die Kirche der anderen Konfession besucht? Hier wurde deutlich, dass es für einige Bereiche noch keine Lösungen für eine Einheit gibt.

Auf die Frage, was er sich als Ziel in der Frage der Ökumene wünsche, sagte Wolfgang Huber: „Ich bin sehr froh hier als Protestant Papst Franziskus zu zitieren: Ich wünsche mir ‚versöhnte Verschiedenheit'. Meine ökumenische Vision ist, dass das Volk Gottes in seiner Verschiedenheit versöhnt ist und dass das dann in der Tat auch am Tisch Christi zum Ausdruck kommt.“

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