Freude über die Unterstützung des Landes für den Hebammengeleiteten Kreißsaal (v.l.n.r.): Dr. Bettina Heuchert (QMB Perinatalzentrum), Dr. Sven Seeger (Chefarzt Klinik für Geburtshilfe), Dr. Yvonne Jäger (Oberärztin Klinik für Geburtshilfe), Kathrin Eichhorn (Leitende Hebamme), Sozialministerin Petra Grimm-Benne, Yvonne Fehse (Pflegebereichsleitung), Daniela Marintschev (Pflegedirektorin), Landtagsabgeordnete Dr. Katja Pähle.
(v.l.n.r.): Dr. B. Heuchert (QMB Perinatalzentr.),Dr. S. Seeger (CA Geburtshilfe),Dr. Y. Jäger (OÄ Geburtshilfe),K. Eichhorn (Ltd. Hebamme),Sozialministerin P. Grimm-Benne,Y. Fehse (PBL),D. Marintschev (PD), Landtagsabgeordnete Dr. K. Pähle
17. Mai 2019
Halle I Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara

Sicher und persönlich: Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara stellt hebammengeleiteten Kreißsaal vor

Modell des Hebammengeleiteten Kreißsaals wird ergänzt
 
Etwa 98 Prozent aller Babys werden in Deutschland im Krankenhaus unter
überwiegend ärztlicher Betreuung geboren. Die heutige Schwangerschafts-
betreuung und Geburt sind geprägt von einer Geburtsmedizin, die vorwiegend
auf den Ausschluss und die Beherrschung von Risiken ausgerichtet ist.
Damit das natürliche Geburtserlebnis stärker in den Vordergrund gerückt wird,
wünschen sich viele Frauen einen Mittelweg zwischen der gesicherten Betreuung
in einer Klinik und der individuellen Ausgestaltung der Geburt mit einer
besonders hohen Betreuungskontinuität durch eine Hebamme.
 
unter der Leitung von Chefarzt Dr. Sven Seeger und Pflegebereichsleitung
Yvonne Fehse wird daher künftig um das Modell des Hebammengeleiteten
Kreißsaals ergänzt. Das Projekt am Standort St. Elisabeth wird ab dem 1. Juli 2019
vom Land Sachsen-Anhalt über eine Dauer von drei Jahren mit insgesamt
480.000 Euro gefördert. 
 
In Deutschland bieten bereits 18 Krankenhäuser die alleinig hebammengeleitete
Geburt als zusätzliches Betreuungskonzept an – nach Angaben des Deutschen
Hebammenverbandes allerdings bislang noch keines in den neuen Bundesländern.
Ziel des Pilotprojekts ist die Schaffung eines Zusatzangebotes, das die Selbst- und
Mitbestimmung der Gebärenden fördert. Zugleich kann auf eventuell auftretende
Probleme während der Geburt jederzeit mit angemessenen medizinischen
Maßnahmen reagiert werden − auch durch das Hinzuziehen von entsprechenden
Fachärzten. 
 
erläutert die Zielstellung: „Der Hebammenkreißsaal ist ein geburtshilfliches
Betreuungsmodell, in dem Hebammen gesunde Frauen innerhalb eines
Krankenhauses durch die Geburt und das Wochenbett begleiten. Die Hebammen
arbeiten hier eigenverantwortlich und selbstständig. Das Modell stellt eine
Erweiterung des geburtshilflichen Angebotes unserer Klinik dar, ersetzt aber nicht
den ärztlich geleiteten Kreißsaal. Beide Abteilungen arbeiten eng zusammen, um bei
auftretenden Komplikationen im klinischen Setting gemeinsam zu handeln.“
 
Bei einem Besuch im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara übergab Petra
Grimm-Benne, Ministerin für Arbeit, Soziales und Integration des Landes Sachsen
Anhalt, heute den Zuwendungsbescheid. „Die Arbeitsverhältnisse von Hebammen
sollen verbessert und durch bessere Betreuung die Qualität der Geburtshilfe
gesichert werden“, sagte Grimm-Benne im Vorfeld über die Aufwertung des
Berufsstandes. Zudem sollen nach Aussage der Sozialministerin mit dem
hebammengeleiteten Kreißsaal die natürliche Geburt gestärkt und die gestiegenen
Kaiserschnittzahlen im Land gesenkt werden. 
 
Interview mit Kathrin Eichhorn, Leitende Hebamme am Krankenhaus St.
Elisabeth und St. Barbara Halle (Saale)
 
Was ist ein Hebammengeleiteter Kreißsaal?
Der Kreißsaal im Krankenhaus steht regulär unter der Leitung und Verantwortung
eines Arztes. Im Hebammenkreißsaal haben jedoch ausschließlich die Hebammen
das Sagen und betreuen die Geburt völlig eigenständig. Sie tragen die volle
Verantwortung für den gesamten Geburtsverlauf, von der Eingangsuntersuchung
über die Begleitung während der gesamten Geburt und der Betreuung im
Wochenbett.
 
Welche Ziele verfolgt das Konzept?
Die Geburt soll so natürlich wie möglich erfolgen. Die Geburtsatmosphäre bleibt so
privat wie möglich, es sind maximal zwei Hebammen im Kreißsaal zugegen.
Gleichzeitig ist im Background immer ein Arzt verfügbar, sobald eine Pathologie
unter der Geburt auffällt. Wir bieten damit also eine gute Alternative zur Hausgeburt
− mit viel größerer Sicherheit. Viele Frauen drängen auf eine möglichst natürliche
Geburt ohne ärztliche Begleitung. Im Raum Halle ist der Anteil an Müttern, die gern
auch im Geburtshaus oder zu Hause ihr Kind in privater Atmosphäre zur Welt
bringen möchten, recht groß. Im Hebammengeleiteten Kreißsaal wird Privatsphäre
mit Sicherheit ideal kombiniert. Darüber hinaus kann durch die intensivere Betreuung
durch die Hebamme die Kaiserschnittrate reduziert werden, da durch gutes Begleiten
und die erhöhte Aufmerksamkeit Komplikationen vermieden werden können. Auch
unsere Ärzte werden entlastet, da sie nur dort sein müssen, wo eine ärztliche
Betreuung wirklich notwendig ist.
 
Was ist der Vorteil für die Schwangere?
Wir sind eine hochspezialisierte Klinik, die selbst die kleinsten Frühgeburten betreut.
Die erneute Zertifizierung zum Perinatalzentrum Level 1 hat das erst im vergangenen
Jahr wieder belegt. Diese Spezialisierung wird jedoch in den meisten Fällen
glücklicherweise nicht abgerufen. Sollte irgendeine Auffälligkeit bestehen, sind sofort
alle Experten verfügbar.
 
Für wen eignet sich eine Geburt im Hebammengeleiteten Kreißsaal?
Im Rahmen der Anmeldung für den Kreißsaal zwischen der 34. und 36.
Schwangerschaftswoche erfolgt durch die Hebamme eine Schwangerenberatung. Es
werden hierbei alle Ausschlusskriterien für eine Hebammengeburt geprüft, zum
Beispiel, ob eine Diabetes oder ähnliches vorliegt. Auch ein Arzt prüft zu diesem
Termin per Ultraschall, ob etwas gegen die Aufnahme im Hebammenkreißsaal
spricht. Ist alles in Ordnung, kommt die Schwangere in der 38. Woche erneut zur
Hebammensprechstunde. Ein drittes Mal werden die Ausschlusskriterien geprüft,
sobald die Schwangere mit Geburtsbeginn (Wehen oder Blasensprung) zu uns
kommt.
 
Wie sieht die Zukunftsvision aus?
Wir haben die Vorstellung von einer Hebammen-Praxis, welche die Schwangere
bereits vor der Geburt, zum Beispiel mit Yoga, betreut. Auch die Nachsorge, die
Wochenbettbetreuung oder das Babyschwimmen können in diesem kleinen,
geschützten Rahmen stattfinden. 
 
 
Bild unten:
Kathrin Eichhorn, Leitende Hebamme im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara
(Quelle Bilder: Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara )

Kontakt

Das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle (Saale) ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und gehört mit rund 1.300 Beschäftigten und mehr als 600 vollstationären Betten als größte Einrichtung zum katholischen Elisabeth Vinzenz Verbund. Als Haus der Schwerpunktversorgung verfügt es über 12 Kliniken der Fachgebiete Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gefäßchirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Kinderchirurgie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie über ein Sozialpädiatrisches Zentrum. Das angegliederte Medizinische Versorgungszentrum sowie eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung ergänzen das breite medizinische und pflegerische Leistungsspektrum des seit 120 Jahren bestehenden Hauses für die Region.

www.krankenhaus-halle-saale.de