Oberarzt Frank Böttcher vom St. Adolf-Stift (links) und Rettungsassistent Christian Oehme (rechts) informieren zur Wiederbelebung von Menschen mit Herzstillstand.
Oberarzt Frank Böttcher vom St. Adolf-Stift (links) und Rettungsassistent Christian Oehme (rechts) informieren zur Wiederbelebung von Menschen mit Herzstillstand.
Reinbek I Krankenhaus St. Adolf-Stift

Prüfen. Rufen. Drücken in Oststeinbek

Wie einfach die Reanimation bei einem Herzinfarkt ist, kann man beim Samstagseinkauf ausprobieren

Anlässlich der bundesweiten „Woche der Wiederbelebung“ informieren Ärzte des St. Adolf-Stiftes und Rettungsassistenten der Rettungswache Reinbek am Samstag, 24. September 2016 von 8.00 bis 15.00 Uhr die Passanten vor dem REAL in Oststeinbek darüber, wie einfach es ist ein Leben zu retten.

„Mit einer Erhöhung der Wiederbelebungsrate durch Laienhelfer könnten in Deutschland jährlich ca. 5.000 Menschenleben gerettet werden“, sagt Frank Böttcher, Notarzt und Anästhesist im Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift. Um die Hemmschwellen in der Bevölkerung vor der Ersten Hilfe abzubauen und die Wiederbelebungsrate zu steigern, beteiligen sich Ärzte des St. Adolf-Stiftes und Rettungsassistenten des Rettungsdienstverbundes Stormarn (RVS) schon länger an der Aktion „Ein Leben retten“. Sie werden am Samstag, 24. September von 8 bis 15 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Haupteingang des REAL in Oststeinbek, Willinghusener Weg, stehen und Interessierte darüber informieren wie die Herz-Druck-Massage funktioniert.

Auch Christian Oehme, Rettungsassistent der Wache in Reinbek, ist am Samstag mit dabei. Oehme erlebt bei seiner Arbeit häufig, dass bei leblosen Personen keine Erstmaßnahmen eingeleitet werden. „Dabei ist es so einfach: Lebenszeichen prüfen, Hilfe rufen und Herzdruckmassage mit 100 Mal Drücken in der Minute durchführen. Das kann jeder! Die dadurch gewonnene Zeit entscheidet über Leben und Tod.“

Vor einem plötzlichen Herzstillstand ist niemand gefeit. Obwohl dem Kranken fast jeder helfen könnte, tun es die wenigsten. In Deutschland ist die Helferquote beim Herzstillstand im internationalen Vergleich sehr gering: Nur in 15% der Fälle werden einfache, aber lebensrettende Maßnahmen ergriffen. Denn bei einem Herzstillstand sind es nur wenige Minuten, die über Leben und Tod entscheiden. Hier setzt die jährliche „Woche der Wiederbelebung“ an.

„Ein Großteil der Herzstillstände findet im persönlichen Umfeld statt – das heißt zu Hause, beim Sport oder auf der Arbeit. Auf dem Parkplatz wollen wir den Passanten die Möglichkeit geben, ihre Reanimationsfertigkeiten aufzufrischen und so zu Lebensrettern zu werden", so Rettungsassistent Oehme. „Durch ein Wiederbelebungstraining wird Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten auf und Hemmschwellen und Berührungsängste abgebaut.“

Notarzt Frank Böttcher gibt mit Oehme regelmäßig Schulungen in Erster Hilfe. „Da sage ich auch immer, dass es einfach ist ein Leben zu retten: Wer ein Handy bedienen und eine Getränkedose öffnen kann, der kann auch die Atmung prüfen, 112 anrufen und fest auf den Brustkorb drücken – möglichst 100 Mal in der Minute.“

Die häufigsten Fragen

Beantwortet von Notarzt Frank Böttcher und Rettungsassistent Christian Oehme

Ist eine Mund-zu-Mund-Beatmung notwendig?
Die Mund-zu-Mund-Beatmung ist nicht die entscheidende Maßnahme bei Menschen mit plötzlichem Herzstillstand. Lebensrettend ist die ist die Herzdruckmassage. Wenn Sie in Mund-zu-Mund-Beatmung ausgebildet sind, dann tun Sie es - zur Erinnerung: 30mal drücken und danach zweimal beatmen. Wenn nicht, konzentrieren Sie sich auf die Herzdruckmassage. Damit ist schon viel gewonnen!

Ist bei einem Herzstillstand die stabile Seitenlage wichtig?
Nein, denn der Betroffene kann auf diese Weise weder beatmet werden, noch kann der Ersthelfer ihn wiederbeleben. Der Ersthelfer sollte bei einem Herzstillstand gleich mit der Herzdruckmassage beginnen.

Kann ich rechtlich belangt werden, wenn ich etwas falsch mache?
Sie können nichts falsch machen! Jede Hilfe ist erste Hilfe. Sie können und dürfen Herzdruckmassage durchführen und einen Defibrillator anwenden. Auch wenn Sie dies nie oder lange nicht mehr geübt haben, es könnte lebensentscheidend sein.

Wo und wie schnell muss ich bei der Herzdruckmassage drücken?
Drücken Sie fest in der Mitte des Brustkorbs mindestens 100 Mal pro Minute, das entspricht einem Disco-Beat. Denken Sie also an einen Song, wie z. B. „Stayin` Alive“ von den BeeGee und Sie haben den Rhythmus einer Herzdruckmassage. Wechseln Sie sich mit anderen Ersthelfern ab.

Hintergrund der bundesweiten Aktion
Die lebensrettende Devise lautet „Prüfen. Rufen. Drücken!“: PRÜFEN, ob die Person noch atmet. Unter der europaweit gültigen Notrufnummer 112 den Rettungsdienst RUFEN. Fest und mindestens 100 Mal pro Minute in der Mitte des Brustkorbs DRÜCKEN und nicht aufhören, bis Hilfe eintrifft. Die Mund-zu-Mund-Beatmung, vor der sich viele ekeln, ist bei der Wiederbelebung zweitrangig: Mit einer Herz-Druck-Massage werden Gehirn und Organe bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Die „Woche der Wiederbelebung“ ist ein Gemeinschaftsprojekt des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e. V. und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. in Kooperation mit dem German Resuscitation Council e. V. und der Stiftung Deutsche Anästhesiologie. Schirmherr ist Gesundheitsminister Hermann Gröhe.

Mehr Informationen unter: www.einlebenretten.de

Kurzanleitung, wie man genau hilft, gibt es hier: http://www.einlebenretten.de/handeln.html#druecken

Kontakt

Das KRANKENHAUS REINBEK ST. ADOLF-STIFT ist ein freigemeinnütziges Akut-Krankenhaus der Regelversorgung mit expandierender Entwicklung und überregionaler Bedeutung, gelegen am Sachsenwald direkt an der östlichen Stadtgrenze von Hamburg. Es verfügt über 320 Betten in den Fachrichtungen Innere Medizin mit kardiologischem und gastroenterologischem Schwerpunkt sowie einer Stroke unit, Allgemein-, Viszeral-, Thoraxchirurgie (inklusive Leberchirurgie und plastische Chirurgie), Gefäßchirurgie, Unfallchirurgie / Orthopädie, Gynäkologie / Geburtshilfe sowie Belegbetten. Ferner hält es eine interdisziplinäre Intensivstation mit 15 Betten vor.
Jährlich werden im KRANKENHAUS REINBEK ST. ADOLF-STIFT über 17.500 Patienten stationär und 22.000 ambulant behandelt. Im modernen Zentral-OP werden pro Jahr rund 8.500 Operationen mit steigender Tendenz durchgeführt. Im St. Adolf-Stift arbeiten über 800 Menschen in den unterschiedlichen Bereichen. Es ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg und einer der größten Ausbildungsbetriebe in Reinbek.

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