Der Palliativmediziner und Wissenschaftler Dr. Georg Bollig nahm als Initiator des „Letzte Hilfe“-Konzeptes den Heinrich-Pera-Preis entgegen.
Der Palliativmediziner und Wissenschaftler Dr. Georg Bollig nahm als Initiator des „Letzte Hilfe“-Konzeptes den Heinrich-Pera-Preis entgegen.
Halle | St. Elisabeth und St. Barbara

„Letzte Hilfe Kurse“ – ausgezeichnete Hilfestellung am Lebensende Halle

5. Preisverleihung des Heinrich-Pera-Preises

Das Hospiz- und Palliativzentrum Heinrich Pera, ein Zusammenschluss der drei halleschen Einrichtungen Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle gGmbH, Elisabeth Mobil und Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara, hat zum fünften Mal den Heinrich-Pera-Preis verliehen. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die Preisverleihung erstmals digital im Rahmen einer Videoübertragung durchgeführt. Aktueller Träger des Heinrich-Pera-Preises ist der Palliativmediziner und Wissenschaftler Dr. med. Georg Bollig. Angelehnt an die Erste Hilfe hat Dr. Bollig gemeinsam mit seinem Team von Fachexperten das Konzept von „Letzte Hilfe Kursen“ (www.letztehilfe.info) initiiert. Die Idee hinter dem Projekt: Angehörige, aber auch medizinisches Personal, lernen Maßnahmen, die eine optimale Begleitung von Sterbenden und die Beratung ihrer Angehörigen ermöglichen.

Studien belegen, dass zwischen 70 und 80 Prozent aller Menschen sich wünschen, in den eigenen vier Wänden zu sterben, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Für eine professionelle Begleitung und Beratung der letzten Monate, Wochen oder Stunden im Leben eines Menschen ist jedoch nur für 10 bis 15 Prozent aller Betroffenen in Deutschland eine sogenannte „spezialisierte Palliativversorgung“ vorgesehen. Der Bedarf, die vielen wichtigen Schritte und Kenntnisse, zum Beispiel zu Mundpflege und Linderung von Durst, Übelkeit und Atemnot sowie der richtigen Vorsorgeplanung zu lernen, ist dementsprechend groß. Zusätzlich besteht bei den meisten Angehörigen das Bedürfnis, mit anderen Menschen über die Themen Sterben und Tod zu sprechen sowie das Geschehen in Form von gelebter Trauer zu verarbeiten. Das von Dr. Georg Bollig und seinem Team entwickelte Kursangebot „Letzte Hilfe“ hat diese Lücke geschlossen und bietet leicht erlern- und umsetzbare Ansätze für Angehörige, aber auch für Pflegende, Ärzte und andere Gesundheitsberufe an.

Unter dem Motto „Am Ende wissen, wie es geht“ sind bereits mehr als 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Ziel der Linderung von Leiden und der Erhaltung
von Lebensqualität sterbender Menschen ausgebildet worden. Rund 2.500 Menschen haben ihr Wissen als „Letzte Hilfe“-Kursleiter weitergegeben. Ausgehend von Norddeutschland ist das Konzept seit Jahren und mittlerweile in 17 Ländern als „Last Aid Movement“ erfolgreich. Bei bislang drei deutschen Letzte Hilfe-Symposien und zwei internationalen Last Aid-Kongressen haben sich die Teilnehmenden über die vielfältigen Erfahrungen in den Kursen und deren wissenschaftliche Evaluation austauschen können. Auch an die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen haben die Macher der Kursreihe gedacht: Für die Begleitung von Menschen mit Lerneinschränkungen oder verschiedenem kulturellem Hintergrund stehen spezielle Kursangebote zur Verfügung.
Preisträger Dr. Georg Bollig nahm die von dem halleschen Bildhauer Bernd Göbel gestaltete Medaille stellvertretend für alle am Kurskonzept Mitwirkenden entgegen. Sein Fazit: „Der Heinrich-Pera-Preis ist ein guter Weg, die Idee und die praktische Anwendung der Palliativversorgung aus dem rein professionellen Umfeld wieder stärker in die Bevölkerung zu bringen. Ich würde mich freuen, wenn er dazu beiträgt, dass die Letzte Hilfe so selbstverständlich wird wie die Erste Hilfe.“

Thomas Wüstner, Geschäftsführer des Krankenhauses St. Elisabeth und St. Barbara, brachte seine Freude über den Anlass des ungewöhnlichen digitalen Festabends zum Ausdruck: „An den Letzte Hilfe-Kursen hat uns begeistert, wie anschaulich die Handlungskompetenz der Teilnehmenden hinsichtlich des Umgangs mit dem Sterbeprozess und dem Tod erweitert und ergänzt wird. Das Kurskonzept ist Ausdruck einer positiven Haltung zum Leben – zu dem unvermeidlich auch der Sterbeprozess gehört. Diesen einfühlsam und kompetent zu begleiten und den Sterbenden ein Halt zu sein, vermitteln die für Angehörige und pflegende Mitarbeitende gleichermaßen wertvollen Kurse in hervorragender Weise.“

Maßgeblich vorbereitet und organisiert wurde die diesjährige Preisvergabe von Elisabeth Mobil, Träger der ambulanten Palliativversorgung für die Stadt Halle und den Saalekreis. „Das Sterben gehört zum Leben. Für viele Menschen ist es trotzdem eine absolute Ausnahmesituation und weit weg von ihrer sonstigen Normalität. Der Kurs vermittelt wunderbar, dass die verschiedensten Gefühle, Wahrnehmungen und Reaktionen am Lebensende ganz normal sind, weil die Situation in der sie sich befinden, für sie nicht normal ist. Das zu wissen gibt Handlungssicherheit, nimmt Ängste und vermittelt Ruhe, Geborgenheit. Also das, was man sich am Lebensende wünscht“, so Yvonne Kriese, Leitende Ärztin der Palliativversorgung bei Elisabeth Mobil.

Notburga Wirth, Leiterin des ambulanten Hospiz- und Kinderhospizdienstes und Verantwortliche für den Bereich Bildung der Hospiz am St. Elisabeth-Krankenhaus Halle gGmbH, betonte: „Hospizlicher Auftrag ist es, über die Themen Sterben, Tod und Trauer ins Gespräch zu kommen. Dies gelingt mit den Letzte Hilfe Kursen ganz hervorragend, wie wir seit der Aufnahme der Kurse in unser Bildungsforum im Jahr 2017 beobachten können. Menschen hier vor Ort sowie Freiwilligen- und Schülergruppen erhalten in den Kursen wichtige Informationen und können sich austauschen – ganz im Sinne Heinrich Peras“.

Das Zentrum wie auch der Preis sind nach dem katholischen Priester, Krankenpfleger und Krankenhausseelsorger Heinrich Pera benannt, einem der Begründer des modernen Hospizwesens in Deutschland. Die Zentrumspartner haben es sich zur Aufgabe gemacht, durch die Vernetzung ihrer Kompetenzen über eine gemeinsame Plattform schwerkranken Menschen eine qualifizierte und sorgsame Beratung und Begleitung sowie eine weitgehend selbstbestimmte Gestaltung des letzten Lebensabschnitts zu ermöglichen. Die Partner des Hospiz- und Palliativzentrums verleihen den Heinrich-Pera-Preis jährlich auf der Basis eingehender Nominierungen.

Vorschläge für künftige Preisträger können an info@hospiz-palliativ-zentrum-halle.deübersandt werden.

Weitere Informationen zum Zentrum finden sich unter www.hospiz-palliativ-zentrum.de.
 

Kontakt

Das Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle (Saale) ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und gehört mit rund 1.300 Beschäftigten und mehr als 600 vollstationären Betten zum katholischen Elisabeth Vinzenz Verbund. Als Haus der Schwerpunktversorgung verfügt es über 14 Kliniken der Fachgebiete Anästhesie, Intensivmedizin, Notfallmedizin, Schmerztherapie und Palliativmedizin, Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie, Gefäßchirurgie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Innere Medizin, Kinder- und Jugendmedizin, Neonatologie und Kinderintensivmedizin, Kinderchirurgie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie über ein Sozialpädiatrisches Zentrum mit Interdisziplinärer Frühförderstelle. Das angegliederte Medizinische Versorgungszentrum, das Medizinische Zentrum für Erwachsene mit Behinderung sowie eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung ergänzen das breite medizinische Leistungsspektrum des seit 120 Jahren bestehenden Hauses für die Region.

www.krankenhaus-halle-saale.de