Mario Hartig (rechts) hat bereits vor eineinhalb Jahren die Leitung der Apotheke an seinen Nachfolger Marc Meißner übergeben. Nun verabschiedeten sie sich typisch für die Coronazeit mit dem Ellenbogen und fürs Foto ohne den obligatorischen Mundschutz.
Reinbek | St. Adolf-Stift

Chefapotheker des Krankenhauses Reinbek geht nach 37,5 Jahren in den Ruhestand

Vor beinah 4 Jahrzehnten baute Mario Hartig die Krankenhausapotheke am St. Adolf-Stift auf. Nun wurde er mit einem Gottesdienst in der Krankenhauskapelle im ganz kleinen Kreis von seinem Apothekenteam und einigen Führungskräften verabschiedet. Die große Feier wurde coronabedingt zunächst auf den Herbst verschoben.

Krankenhaus-Geschäftsführer Björn Pestinger lobte in seiner Rede am Ende der Andacht: „Sie haben schier endlose Energie, ohne dass man Sie hätte bitten müssen, haben Sie sich in den Dienst des St. Adolf-Stiftes gestellt. Sie sind ein Macher mit Idealen und vielen Interessen.“ Auch der Ärztliche Direktor Prof. Dr. Stefan Jäckle lobte Mario Hartigs „enorme Verdienste“ für das Haus und seine Innovationsfreude und hohe Fachlichkeit. „Beharrlichkeit gepaart mit Bescheidenheit und Freundlichkeit waren die Eigenschaften, die Sie zu einem bei allen beliebten Kollegen machten.“

Mario Hartig leitete die Krankenhausapotheke am Krankenhaus Reinbek St. Adolf-Stift von Januar 1983 bis September 2018. Am 1. Oktober 2018 übergab der 64-Jährige den Staffelstab an seinen Nachfolger Marc Meißner und reduzierte als stellvertretender Apothekenleiter auf eine 3-Tage-Woche. So hatte er auch mehr Zeit für Frau und Tochter. Dass er fast zwei Jahre vor Dienstende die Leitung an einen mit 33 Jahren weitaus jüngeren Kollegen abgegeben hat, empfindet Hartig als einen sehr wichtigen und richtigen Schritt. „Es war schön für mich, die Veränderungen ‚live‘ miterleben zu können. Ich freue mich, mit Marc Meißner einen wirklich würdigen Nachfolger gefunden zu haben, der unser engagiertes Apothekenteam nun in die Zukunft führt.“

Am 2. Januar 1983 wurde Mario Hartig vom damaligen Verwaltungsleiter Joachim Schaupeter und den Ordensschwestern die Leitung einer neu aufzubauenden Krankenhausapotheke in enger Kooperation mit dem Johanniter Krankenhaus in Geesthacht übertragen. Die Gründung war notwendig geworden, da durch ein neues Gesetz die bis dato üblichen „Dispensieranstalten“ als reine Abgabeorte für Medikamente abgeschafft wurden, weil deren Mitarbeiter oft über keine pharmazeutische Grundausbildung verfügten. Die Reinbeker Dispensieranstalt wurde bis Ende 1982 von der Ordensfrau Gertrud Schreiber geleitet. Sie arbeitete noch bis Ende der 90er Jahre in der neu gegründeten Krankenhausapotheke.

In den nächsten Jahren konnte die Apotheke die Hamburgische Stiftung Edmundsthal-Siemerswalde in Geesthacht sowie das Bethesda Krankenhaus in Hamburg-Bergedorf (bis 2004) als Kunden hinzugewinnen. In den dann folgenden 30 Jahren unterlag das Dienstleistungsprofil der Krankenhausapotheke permanent Veränderungen. So begannen die Apotheken-Mitarbeiter/innen in den 1990er Jahren langsam mit der sterilen Herstellung von patientenindividuellen Zytostatika-Zubereitungen. Hartig erinnert sich: „Der Aufgabenbereich eines Apothekenleiters entwickelte sich in den Jahren immer mehr hin zu einem modernen und umfangreichen Organisations- und Informationsmanagement.“ Aufkommende EDV- und Online-Medien in den 1980er und 1990er Jahren nutzte Hartig, um systematisch elektronische Arzneimittel-Controlling-Funktionen sowie eine online-gestützte Arzneimittel-Information aufzubauen, etwa über Bildschirmtext. Nach diversen Kursbesuchen beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln konnte Hartig die ersten internationalen Literatur-Recherchen und Online-Literatur-Beschaffungen anbieten. Parallel hierzu absolvierte er erfolgreich seinen „Fachapotheker für Klinische Pharmazie“ und „Fachapotheker für Arzneimittel-Information“. Die fachliche Weiterbildung war ihm sehr wichtig: Er organisierte bundesweit anerkannte „Online-Symposien“ und Schulungen für Apotheker in den Bereichen Arzneimittel-Information und Evidenz-basierter Medizin/Pharmazie. Im Jahr 2000 erhielt Mario Hartig von der Apothekerkammer Schleswig-Holstein den Auftrag, ein „Arzneimittel-Informationszentrum“ aufzubauen, um Kollegen von öffentlichen Apotheken bei schwierigen Arzneimittel-Fragestellungen zu unterstützen. Ferner übernahm er auch einen Lehrauftrag zum Themenbereich „Arzneimittel-Information“ an der Universität Kiel im Fachbereich Pharmazie.

1996 erhielt die Krankhausapotheke neue Betriebsräume im Rahmen einer Gebäude- und Bettenerweiterung des Krankenhauses Reinbek. Passend zu den wachsenden gesetzlichen Anforderungen folgte 2014 ein hochmodernes Sterillabor nach industriellen Maßstäben. Der Fokus lag und liegt auf der qualitativ hochwertigen Versorgung von Krebspatienten mit Zytostatika.

Ein weiteres Aufgabengebiet, das seit einem Jahrzehnt immer wichtiger wird, ist die pharmazeutische Begleitung bei infektiologischen Fragestellungen innerhalb der Kliniken. Nach Beendigung des Masterstudium-Moduls „Arzneimittelbezogene Probleme erkennen“ an der Universität Hamburg im Jahre 2009 absolvierte Hartig von 2010-2012 eine Ausbildung zum „Antibiotic Stewardship“. ABS-Experten unterstützen Klinikmitarbeiter in einem interdisziplinären Team bei der qualitätsgesicherten Auswahl und Anwendung von Antibiotika.

Bei so viel beruflichem Engagement gab es aber auch immer ein Leben außerhalb des Krankenhauses. Hartigs größte Hobbys sind Filme und Fotografie. Diese Leidenschaft konnte er auch im St. Adolf-Stift ausleben, etwa in dem er krankenhausinterne Ereignisse wie Jubiläen, Verabschiedungen, Feiern, Einweihung von neuen Bauabschnitten gefilmt hat. Fast jedes Jahr produzierte er für die Mitarbeiter-Weihnachtsfeiern einen Kurzfilm, in dem im Schnitt 30 Mitarbeitende aus unterschiedlichen Berufsgruppen – vom Arzt über den Seelsorger, Handwerker und Ordensschwestern – engagiert mitwirkten. Der Ärztliche Direktor Prof. Stefan Jäckle sagte in seiner Rede: „Der Film war für viele Kollegen der Höhepunkt des Krankenhausjahres, in vollendeter Weise wurde der Spirit des St. Adolf-Stifts lebendig: Unsere Mission, unsere Gemeinschaft, die Freude am Miteinander und unserer gemeinsamen Aufgabe – verpackt in Krimis, Musicals oder Quiz-Sendungen.“ Hartig agierte als „1-Mann-Produktionsfirma“ – er war zuständig für Film, Ton, Schnitt, Drehbuch und Organisation. Sein Archiv mit 160 Filmen ist inzwischen auch zu 100% digitalisiert. Neben diesem großen Hobby engagierte sich der Aumühler 6 Jahre im Pfarrgemeinderat in der Kirche Herz-Jesu in Reinbek, 20 Jahre in der „Medikamentenhilfe Aumühle e.V.“ und 25 Jahre in diversen Lions-Service-Projekten.

Gefragt nach seinen Plänen für die Zukunft, sagt Hartig: „Jeder gesunde Tag ist ein besonderes Geschenk – daran wird man in Covid-19-Zeiten besonders erinnert. Die vielen interessanten und teilweise auch sehr schwierigen klinischen Fragestellungen werden mir fehlen, andererseits wird mir die Entschleunigung im persönlichen Leben sehr gut tun! Sicherlich werde ich nicht sofort ein altes Ziel durch ein neues Ziel ersetzen, aber eine ‚kleine‘ weitere pharmazeutische Herausforderung könnte mich durchaus interessieren.“

Ein Teambild aus der Zeit von vor Corona: Chefapotheker Mario Hartig (rechts) mit seinem Nachfolger Marc Meißner (unten) in den Räumen der Krankenhausapotheke des St. Adolf-Stiftes. (Foto KH Reinbek, Anya Zuchold)

 

 

Kontakt

Das KRANKENHAUS REINBEK ST. ADOLF-STIFT ist ein freigemeinnütziges Akut-Krankenhaus der Regelversorgung mit expandierender Entwicklung und überregionaler Bedeutung, gelegen am Sachsenwald direkt an der östlichen Stadtgrenze von Hamburg. Es verfügt über 320 Betten in den Fachrichtungen Innere Medizin mit kardiologischem und gastroenterologischem Schwerpunkt sowie einer Stroke unit, Allgemein-, Viszeral-, Thoraxchirurgie (inklusive Leberchirurgie und plastische Chirurgie), Gefäßchirurgie, Unfallchirurgie / Orthopädie, Gynäkologie / Geburtshilfe sowie Belegbetten. Ferner hält es eine interdisziplinäre Intensivstation mit 15 Betten vor.
Jährlich werden im KRANKENHAUS REINBEK ST. ADOLF-STIFT über 17.500 Patienten stationär und 22.000 ambulant behandelt. Im modernen Zentral-OP werden pro Jahr rund 8.500 Operationen mit steigender Tendenz durchgeführt. Im St. Adolf-Stift arbeiten über 800 Menschen in den unterschiedlichen Bereichen. Es ist Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Hamburg und einer der größten Ausbildungsbetriebe in Reinbek.

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